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Umgestaltung der Dorfmitte rund um die Katholische Kirche 2020  “Alte Holzwasserleitung”

Beim Dorfmitteumbau ans Tageslicht befördert – Holzwasserleitung aus dem Jahre 1812

Von Dieter Fleig

Sulz. Bei Grabarbeiten für die Umgestaltung der Sulzer Dorfmitte wurden auch im Auftrage der Badenova AG & Co.KG. neue Abwasserrohre verlegt und dabei entdeckte die ausführende Grabfirma plötzlich alte Baumstämme, so glaubte man jedenfalls. Dass dieser Fund aus Sulzer Sicht allerdings etwas an Licht brachte, das schon längst der Vergangenheit angehörte , freute besonders der Sulzer Heimatforscher Franz Gänshirt. Man entdeckte auf diese Weise eine aus dem Jahre 1812 verlegte Jahre alte Wasserleitung aus Holz. Auch wenn es aus Sicht des Normalbürgers sich nur um ein paar Meter altes Holz handelt, der Fund ist für Heimatforscher Franz Gänshirt schon Sensationell. Über 200 Jahre lag dieses Holz verborgen im Untergrund und gerade zum 750- jährigen Dorfjubiläum erblickte es wieder das Tageslicht. Diese dann restaurierte Holzwasserleitung soll später einmal bei der Badenova zu sehen sein, die im Wasserwerk auf dem Galgenberg einen Ausstellungsraum unter dem Motto „Werdegang der Wasserversorgung“ einrichten. Großzügerweise wurde von der Badenova auch ein Teil dieser historischen Wasserleitung dem Förderverein Sulzer Heimatgut für ihren Ausstellungsraumüberlassen. Franz Gänshirt war über den Fund so angetan, daß er sich gleich wieder erinnern konnte, wer und wie diese alte Wasserleitung bis zum Fundort verlegt wurde. Im Jahre 1812 stellte der evangelische Pfarrer Zandt bei der Gemeinde Sulz einen Antrag, dass er auf eigene Kosten eine Wasserleitung zu seinem Pfarrhaus verlegen möchte. Damals lautete der Antrag laut Unterlagen „ Verlegen einer Wasserleitung für immer“. Und als dieses Projekt genehmigt wurde, konnte mit dem Bau der ca. 300 Meter langen Wasserleitung begonnen werden. Zur damaligen Zeit eine Meisterleistung, es gab damals noch keine Bagger und Metallrohre und so mussten doch die einzelnen Holzstämme zunächst mit einem sogenannten Bohrlöffel ausgehölt werden, ehe dann die fertigen Holzrohre mit einer Muffe aus Metall verbunden wurden. Zur Herstellung von Wasserleitungen wurden dann die zwei Holzröhren durch Röhrenbüchsen, die auch handgeschmiedet wurden, wasserdicht miteinander verbunden. Die Röhrenbüchsen waren etwas grösser wie der Bohrungsdurchmesser. Auf diese Weise ließen sich lange Leitungen, in Sulz waren es ca. 300 Meter, für die private Wasserversorgung bauen. Bei der Fundstelle in der Lahrerstrasse 3, wurde das Haus zunächst von der evangelischen Gemeinde als Pfarrhaushaus und später von der Gemeinde als Schulhaus genutzt. Erst viel später ging das Gebäude an den Bäckermeister Bühler , auch von den alten Sulzern „Bühlerbeck“ genannt. Doch bevor der Pfarrer erstmals eigenes Wasser aus den Hahnen(Deichelrohre) fließen sah, verging eine schön lange Zeit. Von seinem Anwesen in der Lahrerstrasse bis zur Brunnenstube des Hergottsbrunnen gab es einige Hindernisse zu Überwinden. Nachdem die Arbeiten letztendlich fertig waren, konnte diese lange Jahre erfolgreich benutz werden. Aber oft lief wenig oder kein Wasser, weil die Leitung einfach versandete. Dies veranlasste Pfarrer Zandt erneut zum Handeln. Er stellte wieder einen Antrag bei der Gemeinde und beim Großherzoglichen Domänenärear für einen Pumpenbrunnen, wobei die Kostenübernahme allerdings wie schon zuvor bei der Wasserleitung, abgelehnt wurde. Und wieder schritt der Geistlichtliche in Eigenleistung zur Tat und die anfallenden Kosten mussten wieder von seinen Schäflein beglichen werden. Und dies zeigt deutlich auf, schon in früheren Jahren war man bemüht, seine eigene Wasserstelle am Haus zu haben, was eigentlich heute eine Selbstverständlichkeit ist.